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institut für alterskompetenzen

1160 wien, wiesbergg. 9/33

alterskompetenzen@gmx.at



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aktuell

diskussion um die teilabschaffung der berufsunfähigkeitspension

unsere stellungnahme

wir halten den entwurf für äußerst problematisch!

die vorgesehene altersgrenze scheint uns zweifach unsinnig: warum sollen menschen über 50 nicht das gleiche recht auf rehabilitation haben wie menschen unter 50? warum wird andererseits das leid der menschen unter 50 nicht in gleicher weise anerkannt wie bei menschen über 50? wir befürchten, dass die geplante art der rehabilitation kränker macht und nicht gesünder …

wir haben zu viele hinweise im gesundheitsprojekt WÜST, dass „gut gemeinte“ maßnahmen des AMS keineswegs gut für die betroffenen sind. die „gesundheitsstrasse“ - die zuweisung zu als qualvoll erlebten tests beim BBRZ – ist demnach das gegenteil von gesundheitsförderlich.

auch aus unseren erfahrungen in der sozialen arbeit (z.b. basb-finanziertes arbeitsprojekt für psychisch beeinträchtigte personen) wissen wir sehr genau, wie schädlich stigmatisierungen sind. wir haben aber auch die erfahrung gemacht, dass es für viele menschen in oder nach einer krise unbedingt notwendig ist, dass sie - zumindest für eine längere zeit - von ihren verpflichtungen (?) gegenüber einem arbeitsmarkt, auf dem sie in ihrem zustand sowieso keine chance haben, entbunden werden. GERADE diese entlastung hat vielen eine gesundung und eine langsame (!) rückkehr ermöglicht! ohne innehalten, ohne (zugestandene) pause gibt es keinen neuanfang!
wir sind sicher, dass unter den gegebenen bedingungen der konakt mit dem ams die meisten vulnerablen menschen kränker macht. wenn sie kranken menschen zuhören, werden sie überrascht sein, wie bedeutsam es ist, dass ihr leiden an-er-kannt wird und dass sie die auszeit, die sowieso unumgänglich ist, auch offiziell zugestanden bekommen. durchwurschteln ist hier nicht angesagt. selbstverständlich ist uns die tolle qualität mancher reha-maßnahmen bekannt und wir kennen einige, die nach psychischen krisen durch solche kuren sehr gestärkt, wenn nicht "geheilt" wurden. sie haben sich allerdings ALLE freiwillig, zum richtigen zeitpunkt für eine selbst ausgewählte kur entschieden. leider ist uns solches von ams-maßnahmen, die ja samt und sonders von sanktionsdrohungen begleitet sind, nicht zu ohren gekommen.

auch aus soziologischer sicht wäre einiges über die norm der "normalbiografie" (ausbildung - beruf durchgehend - dann pension) zu sagen, die es so für frauen sowieso nie gegeben hat und die es immer weniger gibt. es wäre schlicht logisch, auszeiten nach krisen zu ermöglichen.

aus all diesen gründen halten wir den jetzigen entwurf für eine verhöhnung der menschen, die zu krank sind, um dem vielfältigen stress in der arbeitswelt und/oder den zumutungen an arbeitslose weiter standzuhalten.

gewisse wissenschaftler u.a. sorgen für eine mediale darstellung, die den kranken / ausgebrannten massenhaft flucht in die pension unterstellt, diese „flut“ sei "einzudämmen". diese katastrophenszenarios arbeiten mit ängsten, schüren sie. die konnotation der flucht scheint aus der rassistischen rhetorik übernommen zu sein.

zu befürchten ist vielmehr, dass es immer mehr menschen nicht mehr schaffen, ihre legitimen versicherungsleistungen zu beziehen, weil die beschämung immer härter betrieben, die exklusion immer stärker wird.


der einschätzung der "aktiven arbeitslosen" 

http://www.aktive-arbeitslose.at/news/20120727_invaliditaetspension.html 

schließen wir uns an.

 
 
 

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