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Unser Verein ist bereits ein Vierteljahrhundert alt …

Einen Überblick über unsere Aktivitäten hat Elisabeth verfasst. Damit könnt ihr euch ein Bild machen, was so los ist bei uns Vorstellung des Institutes für Alterskompetenzen

Der Rückblick und ein wenig Ausblick

Bei unserer Vereinsgründung in den Nuller-Jahren haben wir verschiedene Theorien des Alterns diskutiert und waren von den vorherrschenden nicht begeistert – weder von der Aktivitätstheorie noch vom Disengagement-Ansatz.

Gefallen hat uns hingegen die Studie von Kinsler, die Weisheitskonzepte (ja, darüber sprach man damals auch!) überprüfte.

Kinsler findet folgende spezifische kulturelle Altersrollen, die an die von ihr eruierten Kompetenzen anknüpfen (Margrit Kinsler, Kulturelle Alterskompetenzen in einer modernen Gesellschaft, in Altter – Macht – Kultur, 219 ff )

  1. Die reife Künstlerin: Kontinuität und Neuentwicklung

  2. Die alternative Denkerin: Bündeln und Überschreiten

  3. Die kulturelle Förderin und Unterstützerin: Treiben und Zügeln

  4. Die weise Kritikerin: Objektivieren und Subjektivieren

  5. Das kompetente Publikum: Annehmen und Hinterfragen

  6. Die Synoptikerin: Überblicken und Unterscheiden

  7. Die Vermittlerin: Ansammeln und Anbieten

  8. Die Filterin: Auslesen und Verwerfen

  9. Die kulturelle Mentorin: Vernetzen und Erweitern

Wir wollten uns damals besonders mit den Kompetenzen Filtern und Orientieren befassen und wollten – vermessen, wie wir waren – beratend tätig werden. Die entwickelten Workshopvorschläge wurden in unserem Umfeld enthusiastisch begrüßt, aber nie gebucht!

Ist es Altersstarrsinn, wenn wir auch heute noch davon ausgehen, dass

  • problematisierendes und differenzierendes Urteilen

  • mehrdimensionales, zieloffenes Reflektieren

  • sinnbestimmende, integrierende Zusammenschau

  • schöpferisches Denken und kreative Neuentwicklung

  • Neubewertung von Zeit und Zeitverwendung

  • Gesellschaftsdistanz und –kritik sowie

  • Beratungsfähigkeit (aaO, 108-135)

zu den besonderen Ressourcen und Potenzialen des Alterns gehören – oder jedenfalls gehören sollten?

In einem Punkt waren sich die meisten von Kinsler Befragten einig: Sie stimmten Betty Friedan zu, die über den Umgang mit Zeit sagte.

Wenn du Glück hast, heißt Älterwerden, du wirst all die Sachen los, die nicht wichtig sind, du machst die Arbeit, die dich wirklich interessiert, und du verbringst deine Zeit mit den Freunden, die dir wirklich wichtig sind.“

Altersstarrsinn hin oder her, wir wollten doch zieloffen reflektieren und sind durchaus belehrbar – durch die Verhältnisse aber auch durch eure Einwände!

Was also ist heute anders?

Helfen uns die neueren Konzepte des Alterns weiter?

Immerhin entwickelte die Fachwelt in den letzten Jahrzehnten eine intersektionale Perspektive und stellte mehr und mehr Zusammenhänge zum Lebenslauf her. (Zusammenfassend vgl. Grit Höppner https://www.socialnet.de/lexikon/Altern#toc_3)

Somit kommt die Prozesshaftigkeit des Alterns in den Blick – allerdings verbunden mit der Gefahr, die jungen Alten und die alten Alten zu trennen und letzteren wieder alle Altersstereotype zuzuschreiben.

Wichtig ist natürlich die Beachtung der sozialen / ökonomischen Ungleichheiten.

Interessant erscheint die Linking-Age-Perspektive, die unterschiedliche Bewertungen in verschiedenen Lebensphasen untersucht.

Interessant auch die Diskussion um die Präzisierung von Ageismus im Gleichheitsgrundsatz der UN.

Jedenfalls scheint der Hype des Aktiven / Produktiven Alters nicht mehr uneingeschränkt zu herrschen. Dennoch stellen wir allzu oft fest, dass die Betonung der „Lebenswelt“ in fast allen Belangen der Gesundheitsvor- und fürsorge wiederum auf die alternden Individuen zurückschlägt – insbesondere auf die Frauen.

Dabei werden Imperative der Selbstsorge und des ‚guten Lebens‘ miteinander verknüpft. Verfehlungen im Sinne von Widerstand gegen Anti-Aging-Praktiken oder gegen die Inszenierung eines fitten, aktiven, selbstständigen und sexuell attraktiven Körpers können sozial sanktioniert werden.“ (Höppner, ebd)

Ist somit der Druck größer geworden, zu den Junggebliebenen zu gehören?

Sind unsere „Alterskompetenzen“ angesichts des rasanten gesellschaftlichen Wandels obsolet geworden oder gewinnen sie als Chance auf Resonanz (als Antwort auf Beschleunigung im Sinne von Hartmut Rosa, vgl. https://www.youtube.com/watch?v=qIjBl9je7Wo) erst recht an Bedeutung?

Können die Lehren aus unseren biografischen Erfahrungen die Diskurse von Verrohung, Gefährdung von Demokratie, Militarisierung etc brechen?

Oder müssen wir als die Generation, die diese Entwicklungen zugelassen hat, sofort den Mund halten?

Diskutiert mit uns!

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«Ein realistisch-lustiger Anti-Altersratgeber für Frauen, die schon mit 40 verzweifeln – und ebenso für alle, die keine 70 mehr sind. Christiane Rösinger ist die begabteste Quereinsteigerin beim Thema Altern!»

Maren Kroymann