pantoffel statt pandemie

victoria kremer gemalt von gerlinde gröllinger

home sweet home – neue häuslichkeit

gemütlich hab ich’s mir eingerichtet, in letzter zeit.

Im normalen leben- wenn keine pandemie ist- komm ich ja selten zu meinem gemütlichen zuhause.

Ich hab viele verpflichtungen, lauter dinge, die ich mag, die aber sehr bald den charakter einer verpflichtung haben.

Diverse gruppen in denen ich mit in etwa gleichgesinnten spannenden dingen nachgehe: singen, reden, wandern, turnen usw.

das fiel weg 2020

singen mit anderen: bedeutet: aerosole versprühen…

reden und diskutieren: live schwierig, im chat möglich oder im sehr kleinen rahmen im freien,

turnen: nicht in einem fitnessclub, sondern vor einem bildschirm, beliebt ist philipp (teil des orf-programms) er macht mut, neben übungen, die jede nach ihrem können machen soll, zeigt er auch kleine einblicke in andere wohnzimmer, wo menschen zu seinen anleitungen, turnen. Er selbst ist, home sweet home, in socken, das schafft persönliche nähe.

mein umkreis wird kleiner und enger und letztendlich bin ich auf mich selbst reduziert.

Man hat ja eine fülle in sich, ist ja wahr.

Sie wird plötzlich von mir wahrgenommen.

Ich lerne diverses über’s internet, bzw frische auf, was ich kann.

Ich stehe meinem qigong-lehrer an meinem schirm gegenüber….

Ich nehme an feldenkraisstunden teil, die über’s netz übertragen werden.

Und vieles (oder einiges) mehr.

Zurück zum gewählten titel:

Pantoffeln hab ich nicht, mag ich nicht, wurscht was im titel steht.

Kartoffeln, ja, bzw erdäpfeln, denn essen hat eine ziemlich große rolle gewonnen.

Neue talente tauchen auf, man sucht vergeblich germ im supermarkt.

Manche backen brot, obwohl der brotmarkt gerade parallel dazu aufpoppt:

im ehemaligen „hotel kummer“ auf der mariahilferstrasse machte ein französisch angehauchter bäcker gepaart mit wiener tradition auf, gemäss den regeln mit mund-nasenschutz stell ich mich in die schlange vor dem bäcker….

zuhause wartet vergeblich die germ auf mich, die ich vorher mühsam erworben habe.

Aus dem trauten heim muss ich ja manchmal raus, das ist ja nachgerade vorgeschrieben, weil ich achte auf meine psychische und physische gesundheit und da muss ich ja raus, auch ohne hund….

Ich, nicht systemrelevant und angehörige einer besonders gefährdeten gruppe

bewege mich, nicht nur weil ich mag, sondern weil es auch gesund ist und lockdown hin oder her, raus, ist sport und möglich.

Zuhause angekommen widme ich mich wieder mir und meiner umgebung.

Glücklich wer familie hat mit der er sich versteht.

In einen neuen mittelpunkt in meinem zuhause ist :

das internet.

Es verbindet mich mit dem draussen.

Und mein tv-gerät,

es gibt mir einen überblick über die lage in der welt.

Und mein handy,

es lässt mich teilhaben durch diverse whatsapps an lustigen sprüchen und lustigen videos, mögen muss man’s halt.

Zur neuen häuslichkeit gehört: putzen, weil ich bin ja öfter zuhause, und schmutze mehr und

räumen, ordnen, neuordnen, schlichten und der versuch, sich von einem zuviel zu trennen.

Aussortieren, das versuch ich, man hat zuviel und zuwenig gleichzeitig.

Was hab ich eigentlich davor gemacht ? Was war wichtig für mich ? Wie kann ich kontinuität bewahren ? Wieso ordne ich mich eigentlich so total unter ? Wieso nerven mich kritikerinnen sosehr ?

Angst macht sich breit, nicht nur in der gesellschaft auch bei mir.

Eine verkühlung kündigt sich an, ist es wirklich eine, oder mehr als das ?

Wichtig für mich ist: sich auskennen, solidarität und zusammenstehen, am öffentlichen leben teilnehmen und im leben eine mischung aus planung und spontaneität…

Leicht ist zu erkennen, dass alle diese bereiche erheblich unmöglich sind dzt.

Zuviel denken macht kopfweh, ja aber es scheint eine zeit in der weniger denken mehr bringt…oder ist das nur bei mir so….

gemütlich in meiner neuen häuslichkeit mache ich schluss mit meiner geschichte, mit meinen betrachtungen.

Lebt wohl, ihr da draussen, ich mach’s mir wieder gemütlich….

victoria kremer, jänner 2021